Ausgabe Nr.
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J M upload 04.08.2019, Viva Edition 154 | Print article

Rechtstipp Nr. 137 - Die schlimmsten 10 Fehler als Steuerzahler

Wir leben hier auf den Kanaren sehr schön, aber auch im Paradies sind wir nicht von den Steuern befreit, denn irgendjemand muss ja so viel Schönheit bezahlen. Heute möchte ich Ihnen aus meiner Erfahrung in unserer Anwalts- und Steuer-Kanzlei aufzeigen, welche Fehler Sie lieber in ihrem Umgang mit dem spanischen Finanzamt  vermeiden sollten.

1. GESETZE EXISTIEREN AUCH IM PARADIES. Die Kanaren sind keine gesetzesfreie Zone. Wer hier wohnt, wer hier arbeitet, wer hier Geld verdient oder erhält, wer hier erbt, der muss auch hier seine Steuererklärungen abgeben. Kein Amt wird Sie jedoch  darüber informieren. Es ist vielmehr Ihre Pflicht, sich richtig zu informieren! Wenn Sie eine Strafe erhalten, hilft es Ihnen nicht zu sagen, „mich hat aber keiner informiert/gewarnt!“ Wenn Sie sich nicht erkundigen, kann das gravierende Folgen haben. Also holen Sie sich die richtige Beratung beim  Steuerberater oder Anwalt und bitte nicht bei der netten Nachbarin, dem Rezeptionisten oder dem Barman.

Berücksichtigen Sie bei jedem Geschäft, bei jedem Kauf, bei jedem Verkauf, bei jeder Schenkung oder wenn Sie ein Testament aufsetzen etc., welche steuerrechtlichen Folgen das für Sie haben kann. Selbst wenn man lediglich den festen Wohnsitz ins Ausland verlegt kann das schwerwiegende Folgen haben insbesondere bezüglich des anwendbaren Rechtes in Ihrer Erbschaft. Das sollte in jedem Fall im Voraus bedacht werden.  Eine richtige Erbschaftsplanung kann Ihren Erben viele Probleme und Kosten ersparen.

2. ES GIBT NUR EINEN EINZIGEN HAUPTWOHNSITZ. In der Regel zahlt man die Steuern in jenem Land, in dem man wohnt, wo man den Hauptwohnsitz oder das Zentrum der wirtschaftlichen Interessen hat.  Sie können also keine zwei Hauptwohnsitze haben, nur göttliche oder magische Wesen könnten sich gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten aufhalten. Entweder wohnen Sie fest in Berlin oder in Maspalomas, beides geht nicht. Mehr als die Hälfte eines Jahres können Sie nur hier oder dort wohnen. Wenn Sie aber sowohl hier als auch in Ihrer Heimat fest angemeldet sind und wenn Sie beispielsweise hier bei der Gemeinde angemeldet sind (empadronamiento) und bei der Polizei (Registro de Ciudadano de la Unión, kurz gesagt „residencia“), dann wundern Sie sich nicht, wenn beide Finanzämter von Ihnen Steuern kassieren wollen.

3. AUCH RENTEN MUSS MAN BESTEUERN.  Wenn bestimmte Renten im Herkunftsland nicht oder nur gering besteuert werden, heißt das nicht, dass dies in Spanien auch so ist. Bevor Sie auf die Kanaren umziehen, erkundigen Sie sich über die zu erwartenden Steuern auf Ihre Einkommen. In vielen Fällen zahlen hier Rentner erheblich mehr Steuern als in Deutschland. Nehmen Sie ebenfalls nicht an, dass Sie als Behinderter hier keine Steuern zahlen werden, denn Ihre Behinderung muss zunächst hier offiziell anerkannt werden, und zwar von Amtsärzten, die häufig etwas strenger sind als im Herkunftsland.

4. MACHEN SIE IHRE STEUERERKLÄRUNGEN NICHT SELBST und lassen Sie diese auch nicht  von jemandem erstellen, der keine steuerrechtlichen Fachkenntnisse besitzt. Der Beruf des Steuerberaters ist in Spanien nicht gesetzlich geregelt, also kann sich hier ‚jeder als Steuerberater ausgeben‘, selbst wenn keine entsprechende Ausbildung vorliegt. Das ist eine große Gefahr! Darum sollten Sie sich nur von erwiesenermaßen Fachkundigen beraten  lassen. 

5. VERTRAUEN SIE NICHT EINMAL DEN ENTWÜRFEN DES FINANZAMTS. Das Finanzamt erstellt für Sie aufgrund der dort vorliegenden Daten einen Entwurf einer Einkommensteuererklärung. Doch die Realität kann oft viel komplizierter sein. Wenn Sie einfach das Formular des Finanzamts bestätigen, machen Sie trotzdem unter Umständen eine falsche Steuererklärung und das Finanzamt kann dies sogar bestrafen. Außerdem berücksichtigt das Finanzamt bestimmte Rechnungen oder Umstände nicht, die Ihnen zugutekommen könnten.

6. BEACHTEN SIE DIE FRISTEN UND LEGEN SIE SICH MIT DEM FINANZAMT NICHT AN. Das spanische Finanzamt ist sehr streng mit den Fristen. Bei Nichteinhaltung der Fristen entstehen sofort (enorme) Zuschläge, Zinsen, Strafen usw. Ein anfänglich  kleiner Schuldbetrag kann zu einer hohen Belastung werden. Das muss nicht sein. In manchen Fällen haftet der Verwalter oder derjenige, der dem Steuerzahler geholfen hat, Steuerbetrug zu begehen,  solidarisch oder subsidiär für die Steuerschuld. Das Finanzamt und die Sozialversicherung sollten nicht zu ihren Feinden zählen.

7. BELEGE. Verlangen Sie immer eine ordentliche Rechnung, zahlen Sie immer mit Überweisung oder mit einer Bankkarte. Nur ordentliche Rechnungen/Quittungen geben Ihnen das Recht, diese Beträge steuermindernd gelten zu machen. In manchen Fällen muss sogar elektronisch bezahlt haben, um steuermindernd geltend zu sein. Eine elektronische Zahlung ist der beste Nachweis übrigens, um eine Zahlung nachzuweisen. Sie geht nicht verloren und kann ggfs. nachvollzogen werden werden.

8. VERMEIDEN SIE SCHWARZ-ZAHLUNGEN. Jedes mal, wenn Sie ohne Rechnung zahlen gehen Sie ein gewisses Risiko ein. Zum einen haben Sie keinen Nachweis über die erfolgte Zahlung und jemand könnte auf die Idee kommen, die Zahlung erneut zu verlangen. Zum anderen haben Sie als Verbraucher eventuell keine Möglichkeit Gewährleistungsrechte geltend zu machen. Außerdem stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar und in manchen, besonders gravierenden Fällen, sogar eine Straftat. Sehr häufig erfolgen Mietzahlungen in bar, welche vom  Vermieter nicht als Einkommen deklariert werden …

9. ÜBERTREIBEN SIE NICHT. Wenn Sie es nicht schaffen absolut ehrlich zum Finanzamt zu sein, machen Sie zumindest glaubhafte Steuererklärungen. Es kann nicht sein, dass Sie jeden Monat 1.000 Euro ihres hypothekarischen Darlehens tilgen und gleichzeitig nur 900 Euro Einkommen im Monat deklarieren. Es kann nicht sein, dass Sie jahrelang fast so viel Einkommen angeben wie Ausgaben, ohne Gewinn. Irgendwoher muss ja das Geld kommen, von irgendwas müssen Sie ja leben. Erregen Sie nicht die Aufmerksamkeit des Finanzamtes  mit fragwürdigen Steuererklärungen.

10. WENN SIE NICHT RESIDENT SIND, aber hier Geld verdienen (z.B. mit Vermietungen), dann müssen Sie alle drei Monate Ihre Nichtresidenten-Steuererklärung einreichen. Wenn Sie eine Immobilie besitzen, dann müssen Sie die Eigennutzung im Laufe des darauffolgenden Jahres besteuern. Und das ist auch so, falls Ihr Nachbar Ihnen erzählt, er hätte diese Steuererklärungen nie gemacht und es sei auch nie etwas passiert. Es mag sein, dass das in der Vergangenheit nicht intensiv kontrolliert wurde, aber mittlerweile ist das spanische Finanzamt aufgewacht und diesem entgeht dank der immer besser vernetzten europäischen Finanzbehörden kaum noch etwas!  

WENN SIE RESIDENT SIND müssen Sie jedes Jahr eventuell die normale Einkommensteuererklärung bis Mitte des Jahres eingereicht haben. Und sollten Sie im Ausland Immobilien oder andere Güter in Wert von über 50.000 Euro besitzen, vergessen Sie nicht bis Ende März die informative Steuererklärung einzureichen. Die Strafen sind sonst sehr erheblich!

Mit freundlichen Grüssen,

Ihr
José Antonio Pérez Alonso
Abogado/Rechtsanwalt
www.kanzleiperezalonso.com