Ausgabe Nr.
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J M upload 01.10.2022, Viva Edition 192 | Print article

Gastronomietage im Fischerviertel San Cristóbal

Der Atlantik verzaubert bei diesem Ausflug in die Ansiedlung San Cristóbal1) all ihre Sinne und Ende Oktober können Sie sich selbst vom ‚Geschmack des Meeres‘ überzeugen. Die unlängst gegründete Gastronomievereinigung hat in Zusammenarbeit mit dem Rathaus von Las Palmas de Gran Canaria eine Gastronomieroute „San Cristóbal Mira al Mar“ entwickelt. Einige Restaurants bieten vom 25. bis 27. Oktober, jeweils ab 12.00 Uhr, Tapas inklusive eines Getränks zu einem Sonderpreis von zwei Euro an. Thunfisch ist ein Protagonist dieser Initiative. Teilnehmenden Restaurants: El Áncora, El Atlante, Los Botes, El Chacolete und die La Cofradía.

Die Ansiedlung befindet sich am südlichsten Ende der Hauptstadt. An der Einfahrt auf Höhe der Playa La Laja erhebt sich eine neun Meter hohe, majestätische anmutende Skulptur eines athletischen Mannes, als sei diese dem Meer entstiegen. „Exordio El Tritón“2) bläst in seine Muschel und scheint Besucher willkommen zu heißen.

Der Name dieses im Jahr 2011 von Manolo García erschaffenen Kunstwerks ist nicht zufällig gewählt. Er leitet sich vom lateinischen Exordium ab, was so viel wie Anfang bzw. den Beginn bedeutet, während Tritón auf die griechische Mythologie Bezug nimmt. Er ist der Sohn von Poseidon, dem Gott des Meeres.

Nachdem Las Palmas de Gran Canaria sich seit Jahren als die Stadt des Atlantiks vermarktet, da von fast jedem Punkt aus, der Atlantik zu sehen ist, erscheint dies überaus passend.

Dieses Wohnviertel wird oftmals, zu Unrecht, links bzw. rechts liegen gelassen, denn er schmiegt sich über eine Distanz von 3,9 Kilometer zwischen der Avenida de Canarias bzw. der Avenida Marítima und der Küste.

Blick auf das Castillo de San Cristóbal

Die Abfahrt La Laja führt ans Ziel und dort können Sie ihr Auto parken und sich in Richtung San Cristóbal begeben und sich wieder einmal von den mannigfaltigen Kontrasten überzeugen. Gegensätze ziehen sich an. Auf der einen Seite erheben sich hohe Gebäude und der Universitätscampus und auf der anderen befinden sich einfache Häuser, deren bunte, bröckelnde Fassade vom Salzwasser in Mitleidenschaft gezogen wurden.

P. S. Der Heilige Christophorus gilt in der römisch-katholischen Kirche als der Schutzheilige der Reisenden.

Wehrturm Torreón de San Pedro Mártir mal drei

Das Wahrzeichen ist ein historischer Wehrturm „Torreón de San Pedro Mártir“, der früher auch Castillo de San Cristóbal bezeichnet wurde, er erhebt sich aus dem Meer und wurde im Auftrag von Gouverneur Diego Malgarejo im Jahr 1578 als Bestandteil eines ganzheitlichen Verteidigungssystems der Stadt errichtet. Beim Angriff von Sir Francis Drake im Jahr 1595 (siehe Bericht über historische Schlachten) wurde der Wehrturm zerstört und erst 1638 wiedererrichtet. Zu dieser Zeit waren die Bewohner vor allem Militärangehörige und einige einfache Fischerfamilien. Als historisches Kulturgut wurde dieser zylindrische Steinbau in seiner heutigen Form 1999 nochmals aufgebaut. Allerdings wurden zwei Kanonen nicht mehr dort installiert, sondern stehen heute im Patio des Kolumbushauses. In den Nachtstunden ist der Torreón beleuchtet.

Urige Promenade, Wasserfalle inklusive

Auch die Promenade wurde renoviert und die BewohnerInnen wissen sie zu schätzen und zu nutzen, denn der Atlantik bietet frische Luft und einen herrlichen Anblick - zu jeder Tageszeit. Die Häuser in der Ansiedlung sind eng aneinandergeschmiegt und bieten manchmal nur einen schmalen Durchgang. Und obwohl sie so nah am Meer stehen und damit die Feuchtigkeit des Salzwassers gnadenlos ihren Tribut in Form abblätternder Farbe einfordert, erzeugt dies ein reizvolles Bild auf den Atlantik.

Der Duft der „pescaditos frescos“ begleitet uns ebenso wie das Plätschern, Zischen und Ziehen des Meeres, einem ewigen Rhythmus folgend. Der Puls verlangsamt sich und passt sich dem hiesigen Lebensgefühl dieses urigen „barrio pesquadero“ an. Gleiches gilt für die Bars und Restaurants. Wer Schickimicki sucht, ist hier fehl am Platz. Wer authentische, kanarische Gerichte sucht und Fischgerichte liebt, der ist hier richtig!

Direkt entlang des Meeres zieht sich ein Weg entlang der Kaimauer und hartgesonnene InsulanerInnen nutzen diesen zum Sonnenbaden aus. Bei stärkerem Wellengang könnte das Promenieren zu einer nassen Angelegenheit werden, wenn die Gischt über die Mauer spritzt - exotisch.

Die Fischer gehen ihrem Beruf in traditioneller Weise nach. Mitunter sehen Sie sie bei der Arbeit, beim Flicken von Netzen, beim Entleeren von Fangkörben oder Einholen ihrer kleinen Boote. Wenn Sie ihre Badesachen mitgenommen haben, dann können Sie diesen Ausflug ideal mit einem Sonnenbad kombinieren.

Fazit: Mit oder ohne die Gastronomieroute ist ein Abstecher in das urige Fischerviertel San Cristóbal lohnenswert, denn ein wenig ‚Entschleunigung‘ tut unserer stressgeplagten Seele gut. Das gilt auch für die friedliche Atmosphäre und den gastfreundlichen BewohnerInnen, wo fernab des Massentourismus die Zeit still geblieben scheint.

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Verweise

1)Viva Canarias Nr. 48 vom 17.1.2014 - Die Zeit steht still im Fischerviertel San Cristóbal

2)Viva Canarias Nr. 176 vom 1.6.2021 - Göttliches Willkommen in Las Palmas de Gran Canaria El Tríton