Ausgabe Nr.
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J M upload 11.03.2016, Viva Edition 95 | Print article

Kulte und Riten, Indigenismus im Museum Antonio Padrón in Gáldar

Indigenismus im Museo Antonio Padrón in Gáldar

Ums Eck des Kirchplatzes in der Altstadt Gáldar liegt das Geburtshaus von Antonio Padrón, einem der wichtigsten kanari- schen Maler und bedeutendem Künstler des „Indigenismo“. Padrón wurde als achtes von neuen Kindern im Jahr 1920 als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Sein malerisches Talent wurde früh erkannt und so schickte man ihn zur Ausbildung in die weit entfernte Hauptstadt Las Palmas. Danach führte er seine Studium an der Akademie für Bildende Kunst in San Fernando in Madrid fort. Mit 29 Jahren erlangte er die Professur und stellte seine Werke erstmals im Rahmen von Sammelausstellungen aus.

Doch schon zwei Jahre danach, im Jahr 1951, zog es ihn in seine Heimat zurück. Den Rest seines kurzen Lebens verbrachte er in seiner Geburtsstadt Gáldar.

Symbolkräftig

Padrón intensivierte seine Malerei, doch änderte er die Technik und vor allem die Motive. Fast täglich suchte Padrón das Gespräch mit Bäuerinnen und dem einfachen Volk. Besonders interessierten ihn das mündlich überlieferte Brauchtum, Riten und Sitten. Er saugte alles förmlich auf. Wie verlief so ein mühe- voller Arbeitstag im Leben der Bauern? All das arbeitete er in seinen symbolträchtigen Gemälden ein. Die Technik änderte sich vom Expressionismus hin zur naiven Malerei. Padrón bricht die Motive auf die wesent- lichen Elemente hinunter. Er wählte warme Farbtöne, wie beispielsweise rot, braun und ocker. Die Strukturen wurden größer, sowie die Formate. Er experimen- tierte mit Materialien und verarbeitete in manchen Gemälden sogar Erde.

Im Museum Antonio Padrón sind über hundert Werke ausgestellt, die viele interessante Einblicke in die kanarische Kultur bieten und jede Menge Symbol- kraft haben. Flachbildschirme an den Wänden bieten per Touch-Screen die Möglichkeit sich interessante Hinter- grundinformationen zu jedem einzel- nen Gemälde zu holen, die dort in meh- reren Sprachen angeboten werden. Sie sind von Experten ausgezeichnet be- schrieben. Man kann die ausgestellten Gemälde nach folgenden Themenblöcken gliedern:

  • Brauchtum (Costumbre)
  • Kultur (Cultura)
  • Magie/Mystic (Magia)
  • Meer, Wellen (Mar)

Im Garten tankte Padrón Energie, er ist eine Oase der Ruhe. Neben einem Brunnen findet man einige exotische Pflanzen, die sogar mit einem soge- nannten QR-Code versehen sind und botanische Informationen bieten. Der Boden des Innenhofs ist mit typisch runden Steinen ausgelegt (mit Stöckelschuhen kaum zu bewältigen).

Das Museum ist klein, aber fein. Es ist keinesfalls ermüdend und wirklich sehenswert. Dadurch, dass es im Ge- burtshaus untergebracht ist, bietet es zudem interessante Einblicke in das damalige Leben von Antonio Padrón, wie z. B. in seinem Atelier im ersten Stockwerk. Ein Glaslift führt direkt hin und es wurde genau so belassen, wie er es am Tag seines Todes hinterließ. Antonio Padrón starb am 8. Mai 1968 mit nur 48 Jahren. Gegen Ende seines Lebens wurden die Gemälde düsterer (siehe letztes, unvollendetes Werk im Atelier). Es zeigt eine schwarze Jungfrau die ih- ren Sohn im Schoss hält...

KONTAKT

ANTONIO PADRÓN GEBURTSHAUS UND MUSEUM c/Capitán Queseda 3, Gáldar (Nähe Kirchplatz im historischen Ortskern „Casco Historico“). Tel.: 928 551 858

Geöffnet: Di. bis So. von 10.00 bis 18.00 Uhr (Anm.: In den Sommer- monaten Juli, August und Septem- ber von 10.00 bis 19.00 Uhr)

Eintritt: 2 Euro (Rabatte für Residente und Senioren)