Ausgabe Nr.
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J M upload 01.07.2023, Viva Edition 201 | Print article

Kanaren Fauna: Ziegen auf Tour?

Die Kanarischen Inseln mischen international mit ihrem hochwertigen Käse mit, wie die vielen Auszeichnungen belegen. Besonders bei Ziegenkäse sind die Landwirte des Archipels Weltmeister und auch darüber berichten wir laufend. Doch dieses Mal rückt nicht das Produkt, sondern die Milch bzw. das Tier in unseren Fokus.

Die Käsereien produzieren traditionell, wie schon vor 500 Jahren, und ihre Tiere leben fast ausnahmslos frei. Ja, es sind wahrlich Sonnenanbeter, die „cabras“ und „machos“, wie die männlichen Exemplare heißen.

Davon konnten wir uns bei einem Besuch der prämierten Käserei Paqui & Pepe im Jahr 2013 überzeugen. Der Landwirt Paco baute seinen über 1.100 Ziegen, jeglichen Couleurs und Rassen, etliche Schattenplätze auf seinem riesigen Areal. Und trotzdem bevorzugten sie, freie Wahl, den Platz an der Sonne. Die echten kanarischen Ziegen, majoreros, haben sich also an die Hitze gewöhnt.

Haben wir ‚Klimaflüchtlinge’ vielleicht doch mehr gemein mit diesen blökenden Wesen? Es scheint so, berücksichtigen wir die nächsten Eigenschaften, wie z. B. Geselligkeit, Neugierde und Abenteuerlust. Aber dumm sind sie keinesfalls, denn zum Essen kehren sie pünktlich zurück.

Kletterkünstler

Es kommt leider immer wieder vor, dass sich Ziegen in der freien Wildbahn verlaufen und ihren Weg zurück nicht mehr finden. Nachdem sie ausgezeichnete Kletterer sind, erklimmen sie mitunter extrem steile Felshänge in schwindelerregenden Höhen. Das kann allerdings sehr gefährlich sein, wenn diese extremen Touren auf steilen Hängen über Autobahntunneln führen etc.

Seit einigen Jahren fängt die Inselregierung diese in der freien Natur lebenden Tiere ein und versucht die Eigentümer zu ermitteln. In den ersten Monaten 2023 waren es bereits 88 Ziegen, also mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr davor, also 2022. Die meisten Aufgriffe erfolgt in den Naturschutzgebieten von Inagua sowie in den Tälern von Mogán.

Drei autochthone Rassen kommen auf dem Archipel vor: Tinerfeña, Palmera und Majorera. Letztere ist für die herausragende Qualität des Ziegenkäses aus Fuerteventura verantwortlich, weshalb sie 1996 mit dem Ursprungsschutz versehen wurde. Der Bestand hat sich in den letzten Jahren derart gesteigert, dass diese sogar nach Venezuela, Senegal und Kapverden exportiert werden. Die durchschnittliche Herde umfasst 200 weibliche und vier männliche Exemplare.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Ziegen nicht nur für ihre Milch geschätzt werden, sondern auch in typischen kanarischen Gerichten Einzug finden, wie z. B. dem Zickleineintopf.

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Siehe auch

Ziegenfarm bei Paqui und Pepe - weltweit prämierter Ziegenkäse