Ausgabe Nr.
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J M upload 04.02.2021, Viva Edition 172 | Print article

Tarta de Santiago oder Jakobstorte - eine importierte Spezialität

Tunte, das kleine Bergdorf und Hauptstädtchen von San Bartolomé de Tirajana, ist eine der Mandelhochburgen auf Gran Canaria. In den letzten Jahren hat es sich gemausert und die frisch renovierten historischen Fassaden in der Altstadt zaubern ein pittoreskes Bild, in der die Zeit ihren eigenen Rhythmus hat. Jetzt zur Mandelblütenzeit lohnt sich ein Besuch doppelt und auf ihrer Tour kommen Sie unweigerlich hier vorbei.

An der Hauptstraße befindet sich die traditionelle Bäckerei „La Panadera de Tunte“ aus dem Jahr 1948, die nach traditioneller Methode backt. Und genau dort entdeckte ich vor zwei Jahren ein kulinarisches Highlight: Tarta de Santiago. Seitdem ist ein Zwischenstopp für mich zur festen Gewohnheit geworden. Die saftige Torte mit ihrer kompakten Konsistenz, dem intensiven Mandelgeschmack und raffiniert mit Zimt und Zitronengeschmack verfeinert, ist einfach ein deliziöser Genuss. An der Theke wird die Torte übrigens auch im Ganzen in einer hübschen Kartonverpackung angeboten. Bestechend ist die Verzierung, die durch das Aussparen des Puderzuckers entsteht. Es stellt den Dolch eines Ritterordens dar, konkret des Santiagoordens.

Wieso heißt sie Tarta de  Santiago?

Doch was hat Santiago mit Tunte zu tun und wie kam diese Spezialität hierher? Diese Antworten dazu können Sie im Kasten nachlesen, denn jetzt widmen wir uns wieder unserer gustatorischen Beglückung. Das Rezept stammt ursprünglich aus Galizien und wurde 1838 im Rezeptbuch „Cuaderno de confitería“ von Luís Bartolomé de Leybar dokumentiert.

Nachdem Spaniens Schutzpatron Santiago auch der „padrón“ von Gáldar sowie von Tunte ist und letzt genannte Gemeinde zugleich eine Mandelhochburg auf Gran Canaria repräsentiert, war es naheliegend diese köstliche traditionelle Torte zu übernehmen. Die Hauptbestandteile sind 33 % Mandeln höchster Qualitätsklasse, Zucker und Eier.

Santiago ... aber ohne „Mohr“

Der Santiago-Ritterorden im Mittelalter widmete dem verehrten Heiligen sein Wirken und das beeinflusste die Ikonographie. Anfänglich wurde Santiago als Pilger mit Pilgerstab, -hut und Jakobsmuschel dargestellt. Später, so ab dem 12. Jhdt. änderte sich dies. Der Orden der tiefreligiösen Männern kämpfte beharrlich gegen Sarazenen und gegen die Mauren auf der Iberischen Halbinsel. Später nahmen sie auch bei der Rückeroberung sowie bei den spanischen Eroberungen auf den überseeischen Kolonien in der Neuen Welt eine wichtige Rolle ein. So nahm Santiago mehr und mehr die Stellung als kämpfender Ritter zu Pferd, mit erhobenem Schwertarm und einem ‚Mohren‘ zu seinen Füßen zu, an (siehe Foto 01 aus Tunte unten).

Allerdings waren bzw. sind diese Attribute in der heutigen Zeit nicht unumstritten und aus Gründen der politischen Korrektheit hat beispielsweise die Gemeinde in Gáldar den Mohren aus der Skulptur bereits vor Jahren entfernen lassen. Diese steht in der Iglesia Matriz de Santiago de Los Caballeros in Gáldar. Die ebenfalls Apostel Jakob gewidmete Kirche steht dort, wo bereits im Jahr 1486 eine Kapelle stand. Sie wurde also drei Jahre nachdem die Unterwerfung der Insel durch die Konquistadoren abgeschlossen war erreichtet und so wie auf dem Festland ist Santiago auch der Schutzpatron von Gáldar.

Die Skulptur Santiago Matamoros (mata moros, was soviel wie Maurentöter bedeutet, siehe Foto 02) stammt aus dem Jahr 1629 und zeigt Santiago el Caballero zu Pferde mit erhobenem Schwert - jetzt allerdings ohne Mohr (siehe Foto ganz oben).

Sein Ehrentag ist der 25. Juli, weshalb in beiden Gemeinden dieses Ereignis mit einem Feiertag und großem Volksfest zelebriert wird. Allerdings bleibt abzuwarten, ob das auch in diesem außergewöhnlichen Jahr aufgrund des Coronavirus der Fall sein wird.

Steckbrief: Santiago oder Jakobus, der Ältere
Jakobus ist weltweit einer der bekanntesten der zwölf Apostel Jesu Christi und unzählige Mythen existieren über diese Heiligenfigur. Ob sein Leichnahm nach seinem Märtyrertod tatsächlich auf einem Schiff ohne Besatzung in Galizien landete, ist wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen. Er ist der Schutzpatron unzähliger Städte und Länder, wie beispielsweise Spaniens. Aber auch Pilger, Krieger, Apotheker, Drogisten, Landwirte und Hutmacher sollen unter seinem Schutz stehen.

Rezept: siehe Tarta De Santiago - eine köstliche Mandelversuchung selbst gebacken