Ausgabe Nr.
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J M upload 28.02.2020, Viva Edition 161 | Print article

Valle de Fataga: Finca La Fuente: Zu Besuch im ‚Farm Shop‘ bei Rike Berg (5)

Der fünfte gute Grund für einen Besuch des Valle de Fataga ist Rike Berg: Bei meiner Fahrt durch das Tal zog kurz vor der Ortseinfahrt von Fataga auf der linken Straßenseite, eine Vogelscheuche (Foto 01) meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie weckte Kindheitsassoziationen, denn einst waren diese ‚Feinde der Vögel‘ auf dem Land bei Bauern durchaus verbreitet.

„Farm Shop“ prangte auf dem Schild und ich erinnerte mich vor einiger Zeit davon gehört zu haben. Angeblich sollen dort regionale Produkte auf natürliche Weise hergestellt werden und kulinarische Raffinessen neue Geschmackserlebnisse wecken. Wenn das kein Grund ist einen Abstecher zu wagen. Wir begaben uns einige Schritte entlang eines Trampelpfades hinunter, wo ein kleiner Campingwagen die Anlaufstelle dieser Finca La Fuente zu sein schien und ich überraschenderweise eine alte Bekannte traf: Rike Berg

Rike Berg und Ihre ‚saubere Welt‘ 

Rike Berg habe ich einige Jahre aus den Augen verloren, doch blieb mir ihre ungeheure Kreativität als Kunsthandwerkerin in Erinnerung und wie sie als energiegeladener Tausendsassa alles meistert, was sie sich in den Kopf setzt. Auch sie schien sich zu erinnern und gab uns bereitwillig Einblick in ihre Welt. Klein, aber fein. Das scheint ihr Credo zu sein und so bewirtet sie an drei Tagen in der Woche interessierte Gäste mit ihren ungewöhnlichen kulinarischen Kreationen an Marmeladen und Chutneys. 

Wie kam sie nun zu dieser Idee und was waren die Beweggründe? Von der einstigen Speditionskauffrau und Brauereivertreterin über Recycling-Schmuckdesignerin und Knochenschnitzerin zur Köchin? 

Meine Geschmackskombinationen sind ein Alleinstellungsmerkmal

Als Hobbyköchin verwöhnte sie jahrlang ihren Freundeskreis, der sie schließlich dazu animierte, sich damit selbständig zu machen. Im Jahr 2016 fasste Berg diesen Entschluss. Sie erläutert schmunzelnd: „Das ist eine lange Geschichte. Im Jahr 1991 übersiedelte ich nach Mallorca und erst 1995 im zweiten Schritt kam ich nach Gran Canaria, wo ich anfänglich als Brauereivertreterin tätig war und irgendwann den Schritt in die Selbständigkeit wagte und mir somit auch ein Stück Freiheit. Ich verarbeite die Früchte erst, wenn sie ihre volle Reife erreicht haben und so ihr Geschmackspotential voll entwickelt haben. Das schmeckt man eben. Ich muss nicht die Marmeladenkönigin sein und daher weigere ich mich in Richtung Massenproduktion zu denken.“

Wir stimmen zweifelsohne zu. Zweimal haben wir alle angebotenen Kostproben begeistert verkostet und einen klaren Favoriten konnten wir einfach nicht ausmachen. Zudem müssen wir anerkennend ihre Beschreibung unterstreichen, dass ihre Geschmackskreationen einzigartig sind. Dabei notiert sich Berg nicht nur die Ingredienzien, sondern beobachtet auch, wie sich die einzelnen Kräuter und Zutaten im Laufe der Zeit entwickeln. Dominiert ein bestimmtes Gewürz nach einiger Zeit etc. Sie tüftelt so lange, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist und ihre Kunden begeistert. Der Erfolg, den sie trotz ihrer Bescheidenheit durch Mund-zu-Mund Propaganda inzwischen für sich verbuchen kann, gibt ihr recht. Oder können Sie sich folgende Geschmacksvariationen als kulinarisches Highlight vorstellen, ohne es bisher gekostet zu haben?

Chutneys, Marmeladen, Senf und Soßen in allen erdenklichen Variationen: 

Banane mit Zwiebel, passt ideal zu Hühnchengerichten. Orangenchutney mit kleinen pikanten Paprikas oder Mango mit Zwiebel. Karamelisierte Zwiebel mit Orange, Maracuya mit grünem Pfeffer und Basilikum, pikante Orangensoße oder Zitronen-Pfeffer-Basilikum-Soße. Einfach delikat der Feigen- oder Birnensenf. 

Man muss das einmal gekostet haben. Zum Glück bietet Berg, völlig unverbindlich von der Verkostung, ihre liebevoll einzeln befüllten und beschrifteten Einweggläser zum Ab-Hof-Verkauf an. Die sind ein wahrlich großartiges und individuelles Geschenk, denken wir uns.

Lieber klein und fein

Klein aber fein ist nicht nur ihr Anspruch am angebotenen Sortiment, sondern auch ihre Küche, die sich in ihrem Privatgarten einige Schritte entfernt in einem eigens erbauten Häuschen befindet. Die Betriebslizenzen zu erhalten, das war ein aufwändiges Projekt. Die strengen und komplizierten gesetzlichen Anforderungen der Gesundheitsbehörde zu erfüllen erforderte viel Geduld und Nervenstärke. 

Berg erinnert sich: „Ich wollte mich nicht auf irgendwelche bösen Überraschungen einlassen und von Anfang an alles korrekt machen. Dabei war mir eine befreundete Veterinärin überaus behilflich, denn neben all der Bürokratie waren die Vorgaben sehr komplex, vom Edelstahlrührer bis hin zur nachgewiesenen Kühlkette.  Sie führt uns in ihre kulinarische ‚Werkstätte‘ und präsentiert uns die zuvor erwähnten Punkte. 

Mit ihrer Finca la Fuente hat Berg ihr Glück gefunden und zeigt uns im angrenzenden Privatbereich das Anwesen. Überall wachsen Obstbäume und Kräuter, wild durchmischt, als sucht sie ihren perfekten Platz zum Gedeihen. In ihrem Privathaus findet sie Muße und genießt den herrlichen Blick, der sich von fast allen Räumen bietet. Auch wenn sich Berg lange bemühen bzw. verhandeln musste, gelang ihr letztendlich dieser Coup, wofür sie jeden Tag dankbar ist. 

Warum kredenzt sie dann ihren Gästen die Produkte in einem Wohnwagen? Berg erläutert ihre Motive. Manche Menschen hatten einfach eine Scheu, sich so weit von der Straße zu entfernen und auf Privatgrund vorzudringen. Sie trennt Privates von Geschäftlichem nun, auch räumlich. Ihre Hunde namens Lotte und Theodor Antonius Berg fühlen sich sichtlich wohl und stören im angrenzenden Privatgarten nicht den ‚Betrieb‘. Dieser entzückende Wohnwagen versprüht eine ganz eigene Atmosphäre und unterstreicht die Individualität ihres Geschäfts.

Kontakt

FINCA LA FUENTE „FARM SHOP“
Carretera de Fataga km 33 (kurz vor Fataga)
Geöffnet: Mo., Di. und Mi. von 9.30 bis 13.30 Uhr
Tel.: +34 609 988 555
ulrikeberg1966@gmail.com
(Anm.: Gruppen nach Terminvereinbarung)